Zinsleiter mit Festgeld selbst konstruieren

Mit dem berühmten Notgroschen hat man so seine Probleme. Jeder braucht ihn, er soll verfügbar sein und im besten Fall auch noch eine Rendite abwerfen, die zumindest die Inflation abdeckt. Aktuell ist das gar nicht so einfach, vor allem letzteres scheint bei diesem Zinsniveau momentan nicht möglich. Wie hoch man seine Notfallreserve ansetzt hängt mitunter von vielen Faktoren ab. Gängige Orientierungsgrößen könnten beispielsweise das sechsfache Monatsgehalt oder das x fache der monatlichen Ausgaben sein. Dieser Betrag soll dementsprechend zur Verfügung stehen, wenn im Fall des ungeplanten finanziellen Falles plötzlich das Geld benötigt wird. Die Anlage in typische „Langfristanlagen“ wie Aktien oder ähnlichen Produkten scheidet daher schon aus. Meist bleibt das Sparbuch mit ungebundener Laufzeit oder einer kurzen Laufzeit um zumindest die Rendite etwas zu verbessern und dennoch den liquiden Charakter zu bewahren. Auch ich habe natürlich neben unseren Langfristsparformen unsere finanzielle Reserve für Unvorhergesehens. Um nicht ganz den schrecklichen Tagesgeldkonditionen ausgeliefert zu sein habe ich eine Zinsleiter konstruiert.
Die Funktionsweise ist relativ einfach. Anstatt sein finanzielles Notpolster zu den niedrigen Tagesgeldzinsätzen zu veranlagen teilt man den Betrag auf verschiedene Laufzeiten auf. Hat man beispielsweise bereits die gewünschte finanzielle Reserve für Notfälle zusammengespart könnte eine Variante folgendermaßen aussehen (Annahme 10.000 €):

  • Tranche 1: 2.000 € täglich fällig
  • Tranche 2: 2.000 € gebunden mit 1/2 Jahr Laufzeit
  • Tranche 3: 2.000 € gebunden mit 1 Jahren Laufzeit
  • Tranche 4: 2.000 € gebunden mit 2 Jahren Laufzeit
  • Tranche 5: 2.000 € gebunden mit 3 Jahren Lauzeit

Nach Ablauf der ersten Tranche (in diesem Fall Tranche 2) kann diese für weitere 3 Jahre veranlagt werden. Dadurch wälzt man die langfristige Veranlagung immer weiter, ohne dabei auf eine kurzfristigere Flexibilität verzichten zu müssen.

Muss der finanzielle Polster erst geschaffen werden, oder wurde er aufgebraucht kann man die Zinsleiter gleich mit dem erneuten Ansparen bis zum Zielkapital verbinden. Je nach finanziellem Spielraum könnte dies wie folgt aussehen:

Für das Beispiel wird angenommen, dass jedes Monat 300 € für den Notgroschen angespart werden. Diese werden automatisch auf ein Tagesgeldkonto überwiesen. Nach 6 Monaten hat man somit 1.800 € angespart, welche man nun in Festgeld umschichtet.

  • nach 06 Monaten: 1.800 € Veranlagung mit 2 Jahren Laufzeit
  • nach 12 Monaten: 1.800 € Veranlagung mit 2 Jahren Laufzeit
  • nach 18 Monaten: 1.800 € Veranlagung mit 2 Jahren Laufzeit
  • nach 24 Monaten: 1.800 € Veranlagung mit 2 Jahren Laufzeit
  • nach 30 Monaten: 1.800 € Veranlagung mit 2 Jahren Laufzeit

Die ersten veranlagten 1.800 € laufen somit nach 30 Monaten aus. Diese können wieder mit 2 Jahren veranlagt werden. In Summe (ohne Zinsen) hat man 9.000 € angespart und seine Rendite durch die Festgeldanlage verbessert. Zumindest gegenüber einem Tagesgeldkonto. Wie man sieht gibt es eine Vielzahl an Varianten die man bei Zinsleitern durchspielen könnte. Man kann die Laufzeiten varrieren, die Beträge anders staffeln oder die Ansparzeiten verkürzen oder strecken. Bezüglich Ansparzeit sei allerdings erwähnt, dass man nach meiner Auffassung diese so kurz wie möglich halten sollte, damit der finanzielle Polster wieder gegeben ist, aber vor allem das restliche Geld wieder so schnell wie möglich in ertragsstärkere (langfristigere) Anlagen investiert werden kann.

Derartige Zinsleitern sind in Phasen steigender Zinsen, die von dem derzeitigen historisch niedrigen Zinsniveau über kurz oder lang zu erwarten sind vorteilhaft. Einerseits nutzt man die besseren Festgeldzinssätze, andererseits profitiert man aber auch durch Aufteilung des Kapitals und regelmäßige Wiederveranlagung an der steigenden Zinslandschaft. Durch die Zinsleiter und das regelmäßige Wiederveranlagen profitiert man auch von den steigenden Zinsen. Im Worst Case ist man gezwungen mehrere Tranchen aufzulösen. Aber auch hier hat man bei einer Untergliederung des Notgroschens in mehrere Tranchen den Vorteil, dass man diese je nach Bedarf auflösen kann und die anderen Veranlagungen unberührt weiter laufen lässt. Im Falle einer Veranlagung der ganzen Summe müsste die gesamte Veranlagung aufgelöst werden, womit auch in den meisten Fällen der vereinbarte Zinssatz für die Laufzeit nicht mehr gilt. Für die Kontstruktion von Zinsleitern verwende ich beispielsweise die beiden Online Banken Denizbank und Livebank, welche sich für unkompliziertes Sparen und selbst gebastelte Zinsleitern geradezu anbieten (neben weiteren Onlineanbietern). Beide unterliegen dem österreichischen Bankwesengesetz und auch der österreichischen Einlagensicherung. Neben den Konditionen sollte man natürlich auch auf die regulatorischen Bestimmungen achten.

Bei allen Varianten die möglich sind, sollte der Zweck des finanziellen Polsters nicht vergessen werden und im Vordergrund stehen. Man sollte sich keine Atkienrenditen erwarten oder Varianten wählen die das Geld zu langfristig binden. Aber bei einer vernünftigen Auswahl der Bindungsfristen kann man zumindest die Rendite immerhin gegenüber einem täglich fälligen Sparkonto deutlich verbessern aber dennoch einen realtiv flexiblen Notgroschen an seiner Seite wissen.

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