Indexfonds Portfolios selbst konstruieren

Ein eigenes Portfolio zu konstruieren ist nicht schwer und hängt massgeblich von der geplanten Asset Allocation ab. Für Privatanleger kann es, wie bereits in meinem Artikel Geringe Chance auf hohere Ertrage bei aktiven Investmentfonds dargestellt, sogar eine durchaus lohnende Alternative zu aktiven gemanagten Investmentfonds sein. Eine der grundlegenden Entscheidungen die man dabei treffen muss betrifft die Gewichtung der beiden Asset Klassen Aktien und Anleihen.

Als gängige Faustregel kann beispielsweise das Alter als Bondgewichtung genannt werden. Demnach würde ein 30 jähriger Anleger 70% seines Portfolios in Aktien und 30% in kurzlaufende oder inflationsindexierte Staatsanleihen anlegen. Das jährliche Rebalancing könnte dann, ähnlich einem Lifecycle Modell, die Asset Allocation dementsprechend anpassen. Im Alter von 35 würde die Asset Allocation somit auf 65% Aktien / 35% Anleihen adjustiert werden. Das Risiko des Portfolio wird mit zunehmenden Alter somit reduziert.
Auf Basis dieser Asset Allocation lassen sich bereits sehr kosteneffiziente Portfolios konstruieren.

                     
Für den breit diversifizierten Aktienanteil wurde der MSCI All Country World Index (ACWI) gewählt. Dieser bietet Zugang zu Aktien aus Industrie- und Schwellenländern weltweit. Der Index umfasst etwa 2500 Werte und setzt sich aus etwa 45 Länderindizes zusammen, davon etwa jeweils die Hälfte aus entwickelten Märkten und aus Schwellenmärkten. Der Anleihenanteil besteht aus kurzlaufenden oder inflationsindexierten Staatsanleihen der Eurozone.
Das Portfolio besteht aus lediglich zwei ETFs und ist breit diversifiziert. Die Total expense ratio liegt bei niedrigen rd. 0,35% p.a. und das Rebalancing ist auch bei kleinen Anlagesummen durchaus praktibel, da es nur zwei Positionen zu gewichten gilt.
Natürlich kann dieser einfache Ansatz beliebig optimiert werden. Beispielsweise kann der Aktienanteil regional gewichtet werden.
 Dazu wurde der Heimatmarkt Europa mit 30% stärker gewichtet als der „Rest der Welt Anteil“. Die Anzahl der Indexfonds steigt somit auf 4 Stk. Die jährliche Total expense ratio liegt ebenfalls bei rd. 0,35% p.a. und somit immer noch weit unter den Management Fees der aktiven Investmentfonds.
Die Beimischung von weiteren Asset Klassen, vor allem Immobilien bzw. Rohstoffe ist durchaus denkbar und aus Diversifikationsgründen auch empfehlenswert. Wichtig dabei ist, dass eine Asset Klasse nicht übergewichtet (mehr als 80%) aber auch nicht untergewichtet (unter 10-15%) sein sollte. Ansonsten würde die Beimischung an Wirkung verlieren.
Auch die weitere Untergliederung in Small-Cap und Value Aktien ist häufig in Portfoliokonstrukionen anzutreffen. Vor allem die Small-Cap Aktien sind bei breiten MSCI Indizes unterrepräsentiert, da diese nach Marktkapitalisierung getrackt werden. Small Cap Segmente sind allerdings durchaus interessant, da sie eine höhere Rendite in Aussicht stellen, wenngleich auch die Volatilität dementsprechend steigt.
Mein derzeitiges Portfolio berücksichtigt beispielsweise folgende Asset Allocation. Diese wird auch nicht verändert und einmal jährlich auf die Ziel Asset Allocation rebalanced. Sowohl das Rebalancing als auch die Beibehaltung der ursprünglichen Asset Allocation sind wesentliche Faktoren für einen langfristigen Erfolg. Daher sollte man sich besser genau überlegen mit welcher Gewichtung man langfristig leben kann, ohne schlaflose Nächte zu haben.
 
Der Aktienanteil liegt bei meinem Portfolio bei 70%, wenngleich ich die REITS (Immobilienaktien) ebenfalls zu dieser Kategorie zähle, da REITS von den Eigenschaften stärker mit Aktienmärkten korrelieren. Das Portfolio habe ich durch 6 Indexfonds zusammengestellt, wobei die Total expanse ratio bei 0,3% p.a. liegt.
Wie man sieht sind der Konstruktion von ausreichend diversifizierter Portfolios keine Grenzen gesetzt und mit Hilfe von low-cost ETFs auch für Privatanleger absolut empfehlenswert. Die jährlichen Management fees machen dabei nur einen Bruchteil dessen aus, was aktive Fonds für ähnliche Konstruktionen verrechnen. Einziger Punkt, worauf man achten sollte ist die Komplexität und die damit verbundenen Rebalancingkosten. Es ist natürlich verlockend ein low-cost Portfolio mit 10 ETFs zusammenzustellen. Man sollte dabei aber immer im Hinterkopf behalten, dass dieses auch, wenn auch nur einmal im Jahr, durch Transaktionen laufend auf die Ziel Asset Allocation gebracht werden muss.

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