Finanzielle Freiheit kann durchaus erreichbar sein

Finanzielle Freiheit ist je nach Definition kein Ding der Unmöglichkeit. Auch für einen durchschnittlichen Angestellten ist die finanzielle Freiheit ein erreichbares Ziel, je nachdem wie man diese definiert. Eine kurze aber aus meiner Sicht sehr treffende Definition von finanzieller Freiheit könnte wie folgt lauten: Seine laufenden Kosten können durch passives Einkommen gedeckt werden. Das Rechenbeispiel in diesem Beitrag soll zeigen, dass finanzielle Freiheit nach dieser Definition gar nicht so weit entfernt sein muss. 

Als Ausgangsbasis für mein Rechenbeispiel wird ein Haushalt mit zwei Einkommen angenommen. Die Nettogehälter der beiden liegen bei 2.500 € bzw. 1000 € pro Monat. Das entspricht einem gemeinsamen Jahreseinkommen von 48.000 €. Die Ausgaben betragen monatlich 2000 € bzw. 24.000 € jährlich. Das übrige Geld wird, welch Überraschung, angespart. Die Beiden erreichen nach diesen Angaben also eine Sparquote von 50% im Verhältnis zum verfügbaren Einkommen. Für die Veranlagung wird eine Rendite von 4% (bereits bereinigt um Inflation) angenommen.

Um berechnen zu können, wieviel Kapital notwendig ist, um seine laufenden Kosten decken zu können, ist es notwendig eine Entnahmerate anzusetzen. Die Höhe des Kapitals hängt letztendlich von diesen beiden Faktoren ab. Wie hoch sind meine Ausgaben, die ich zu bezahlen habe und welche Entnahmerate (in % des Kapitals) kann ich ansetzen, um einerseits meine Kosten abdecken zu können und andererseits nicht Gefahr zu laufen, dass ich frühzeitig mein Kapital aufbrauche. Für mein Berechnungsbeispiel habe ich 4% angesetzt. Jetzt sollte der aufmerksame Leser sofort die Frage stellen „warum gerade 4%“. Diese Zahl ist natürlich keineswegs aus der Luft gegriffen, sondern bezieht sich auf eine im Jahr 1998 durchgeführte Studie dreier Professoren der Trinity University. Die Ergebnisse der Studie können im publizierten Artikel im  AAII Journal nachgelesen werden. Ziel der Trinity Studie war es, eine nachhaltige Entnahmerate zu finden, welche das angesparte Kapital nicht gefährdet. Dafür wurden unterschiedliche Portfoliokonstruktionen auf Basis der historischen Entwicklungen von 50 Jahren getestet. In den berechneten Szenarien hat sich demnach eine Entnahmerate von 3-4% als sehr robust erwiesen.

Um seine finanzielle Freiheit zu erlangen müsste man demnach ein Vermögen von 600.000€ ansparen. Eine stattliche Summe, aber dennoch, unter den beschriebenen Annahmen ist das Ziel nicht unerreichbar. Nach 16 Jahren wäre man in der Situation behaupten zu können, dass man durch seine passiven Einkünfte seine Ausgaben decken kann und somit nicht mehr abhängig von anderen finanziellen Einnahmequellen wäre.

16 Jahre bis zur finanziellen Freiheit klingt doch gut oder? Und vor allem bereits mit weit weniger als einigen Millionen Euro am Konto, wie oftmals als spontane Antwort zu hören ist. Wie bereits im Artikel Grundsätze für erfolgreiches investieren beschrieben ist man gut beraten, sich auch hier auf Einflussfaktoren zu konzentrieren, die man beeinflussen kann. Sieht man sich die beeinflussbaren Faktoren etwas genauer an, erkennt man, dass vor allem die Sparrate einen sehr hohen Einfluss auf die Dauer des Ansparzeitraumes hat.

Bei 50% Sparrate benötigt man für das Erreichen der finanziellen Freiheit bei einer Entnahmerate von 4% rd. 16 Jahre. Erhöht man die Sparrate um 10% verkürzt sich der Zeitraum bereits um 4 Jahre auf 12 Jahre. Ab einer Sparrate von 65% kann die finanzielle Freiheit bereits unter 10 Jahren erreicht werden. Die Sparrate kann entweder durch ein höheres Gehalt oder durch weniger Ausgaben erhöht werden. Das eine schließt das andere natürlich nicht aus. Hier zeigt sich auch ein weiterer Nebeneffekt. Desto geringer die Ausgaben, umso höher die Sparrate. Dadurch wird das Ziel der finanziellen Freiheit noch schneller erreicht, da nicht nur die höhere Sparrate den Vermögensaufbau beschleunigt, sondern auch das notwendige Vermögen direkt mit den Ausgaben korreliert. Benötigt man bei jährlichen Ausgaben von 24.000 € noch ein Vermögen von 600.000 € für seine finanzielle Freiheit, beträgt dieses bei jährlichen Kosten von rd. 20.000 € bereits um 100.000 € weniger und „nur“ noch 500.000 €. Auch bei geringen Sparquoten kann langfristig ein Vermögen angespart werden, welches in der Pension für die laufenden Ausgaben ausreichen sollte. Darin berücksichtigt sind wie bereits erwähnt noch keine Zusatzeinkünfte aus Gelegenheitsjobs oder staatlicher Pension usw.

Die beispielhafte Rechnung soll die Blicke schärfen und zeigen, dass man nicht Millionär sein muss um finanzielle Freiheit zu erlangen. Diese ist abhängig davon wie man sie definiert. Konzentriert man sich auf das Wesentliche und lebt nicht über seinen Verhältnissen ist es auch mit durchschnittlichen Einkommen möglich ein beträchtliches Vermögen aufzubauen und dadurch finanzielle Freiheit zu erlangen.

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5 Responses to “Finanzielle Freiheit kann durchaus erreichbar sein”

  1. Monatliche Dividende 11. Juni 2014 at 14:57 #

    Wirklich beeindruckender Artikel. Insbesondere die Aufmachung und der Chart gefällt mir sehr gut, vor allem ist er einprägsam und sehr aussagekräftig. Könnte man schon fast ne Infografik nennen.

    Trotz allem denke ich, dass die Welt zwischen Spannung und Entspannung lebt, oder aber Investieren und Konsumieren. Zum Investieren nutze ich die Trendfolge-Strategie sowie das Investieren in Aktien mit monatlicher oder quartalsweisen Dividendenzahlung.

    Auf alle Fälle gibt es für mich als Dividendenhamster den Spruch: Das Leben findet schon vor der Rente statt.

    In diesem Sinne weiterhin viel Erfolg, Gruß René

  2. Thomas 10. Dezember 2014 at 11:16 #

    Ein sehr informativer Artikel mit Ansichtspunkten, die ich bis dato in dieser Form noch nie so betrachtet habe. Das regt auf jeden Fall zum Nachdenken an.

  3. Jan 29. April 2015 at 17:42 #

    Hallo, ein sehr schöner Beitrag.
    Ich finde solche Grafiken sollten in jeder Schule zum Standardrepertoire gehören um die finanzielle Bildung ein wenig voranzutreiben. Leider fehlt es vielen an der nötigen Disziplin bzw. am Willen (Unwissenheit?) die finanzielle Freiheit zu erreichen.

    VG Jan

  4. Lizenz zum Geld drucken 20. Mai 2015 at 11:35 #

    Kann mich nur den dreien da oben Anschließen. Es leben die Grafiken.

  5. Sven Martin 2. Juni 2015 at 08:08 #

    Sehr informativer Artikel, ein Weg zur finanziellen Freiheit kann auch das Investieren in ETFs sein. Auf Dauer gesehen zahlt sich da aus. Am sicher hat sich die Strategie By-and-Hold erwiesen. Damit lässt sich auch eine Altersvorsorge aufbauen.

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