Mythos Cost Average Effekt

Oftmals wird auf die Vorteile des Cost Average Effekts bei Sparplänen verwiesen. Besonders für Vorsorgemodelle werden diese Systeme als eine attraktive Alternative zu Einmalanlagen propagiert und dabei oftmals auch höhere Renditen versprochen. Aber erfüllt der Cost Average Effekt auch, was vielerorts versprochen wird?Begründet wird dies durch den Cost Average Effekt, welcher besagt, dass bei einer wiederholten Investition gleich hoher Geldbeträge in eine im Kurs schwankende Anlageform der durchschnittliche Kaufpreis der Anteile unterhalb des durchschnittlichen Kurses der Anlageform liegt. Der beschriebene Cost Average Effekt ist darauf zurückzuführen, dass im Falle von niedrigen Kursen eine größere Stückzahl gekauft wird als wenn die Kurse auf einem höheren Niveau notieren. Folgende Grafik zeigt eine beispielhaft schwankende Anlage, wo regelmäßig 100 € über 7 Perioden investiert werden und dementsprechend die Anzahl der gekauften Anteile varriert. Bei niedrigen Kursen werden mehr Anteile gekauft als bei höheren Kursen.

Die Beispielrechnung zeigt, dass durch die regelmäßige Anlage bei schwankenden Kursen somit der durchschnittlichliche Kaufpreis bei Nutzung des Cost Average Effektes mit 9,55 € unter dem durchschnittlichen Kurs iHv. 10,71 € des Wertpapiers liegt und der Cost Average Effekt zumindest mathematisch funktioniert.

Aber welche Vorteile hat ein Sparplan unter Rendite- / Risikogesichtspunkten eigentlich wirklich und bestehen diese auch in der Praxis?

Die Diskussion darüber ist durchaus kontrovers, da die Meinungen in der wissenschaftlichen Diskussion darüber stark divergieren. Knight, Mandell (1993) kommen beispielsweise im Zuge Ihrer durchgeführten Studie zu dem Ergebnis, dass Vorteile der Cost Average Strategie gengenüber einer herkömmlicher Einmalanlage hinsichtlich Renditeaspekten nicht existieren. Bei der Betrachtung der Vorteilhaftigkeit einer solchen Strategie ist es allerdings notwendig auch andere Sichtweisen zu beachten und diese ebenso im Vergleich zu Einmalanlagen darzustellen. Beispielsweise wird bei Anwendung dieser Strategie ein automatisiertes System für den Vorsorgeplan implementiert, welches dem Anleger die nicht unwesentliche Entscheidung abnimmt zu welchem Zeitpunkt er die Anteile kaufen soll. Damit können bereits im Laufe der Ansparphase zeitaufwendige und zum Teil komplexe Analysen in Bezug auf das richtige Market Timing vernachlässigt werden.

Tacchino & Woerheide (2005) empfehlen im Zuge möglicher Anlagestrategien unter anderem den langfristigen Aufbau des Portfolios durch regelmäßige Investitionen, ohne näher auf die Vorteile dieser Methode einzugehen. Atra & Mann (2001) kommen zu dem bereits konkreteren Ergebnis, dass Sparpläne geringfügig höhere Renditen generieren, obwohl man für eine ganzheitliche Betrachtung dieses Themas auch noch weitere Aspekte, beispielsweise Transaktionskosten untersuchen muss, welche für einen Vorsorgeplan relevant erscheinen. In einer von Leggio & Lien (2003) durchgeführten Studie, in welcher die Cost Average Strategie mit Buy & Hold Ansätzen in Bezug auf Rendite und Risiko Aspekten verglichen wurde, kommen die Autoren zu dem Ergebnis, dass die Cost Average Strategie anderen Ansätzen unterliegt. Sie weisen allerdings auch darauf hin, dass eine derartige Strategie ein sehr konservativer Investmentansatz ist und der Zeitraum eine wesentliche Rolle spielt. Albrecht, Dus, Maurer & Ruckpaul wiederum (2002) resümieren, dass ein Einmalinvestment hinsichtlich der mittleren Wertentwicklung mit zunehmendem Investmenthorizont systematisch überlegen ist, der Sparplan hingegen hinsichtlich der Standardabweichung des Endvermögens systematisch überzeugt und einen besseren Dämpfer in Bezug auf die Risikohöhe darstellt.

In der Praxis ist der Anleger oftmals von Faktoren abhängig, welche im realen Analageprozess bereits als vorgegeben erscheinen. Beispielsweise kann nicht jeder Investor auf ein Vermögen zurückgreifen, welches ihn vor die Entscheidung stellt zwischen einem Sparplan oder einer  Buy & Hold Strategie zu wählen und lässt daher bereits die Wahl zwischen den beiden Strategien von vornherein nicht zu.

Auch die Risikoaversion spielt in diesem Zusammenhang eine wesentliche Rolle, da mit einer Einmalanlage in risikobehaftete Wertpapiere ein höheres Renditepotenzial, aber auch ein damit verbundenes Risiko verbunden ist.

Die wissenschaftliche Diskussion, ob eine Cost Average Strategie Vorteile beinhaltet lässt trotzdem aufschlussreiche Schlussfolgerungen für die Analagepraxis zu. Für den Anleger mit einem regelmäßigen Einzahlungsplan bedeutet das, wer  nach dem Cost Average Prinzip spart, und seine Investitionen zeitlich streckt, verzichtet zwar (in den meisten Fällen) auf Ertrag, wird aber mit einer Risikominderung belohnt. Durch die laufende Einzahlung von Beträgen zwingt sich der Anleger zum Sparen und schließt zusätzlich die Market timing Problematik aus wodurch ein „falscher Kaufzeitpunkt“ nicht gewählt werden kann.

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